Kooperatives Lernen

Kooperatives Lernen ist eine Unterrichtsstruktur, bei der Lernende in heterogenen Gruppen gemeinsam Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, indem sie positive Interdependenz, individuelle Verantwortung und förderliche Interaktionen nutzen. Es verbindet fachliches mit sozialem Lernen durch Wechsel von individuellen und kooperativen Phasen.[1][2][3]

Kernidee/Definition

Kooperatives Lernen ist eine Interaktionsform, bei der die beteiligten Personen gemeinsam und in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, wobei alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt am Lerngeschehen teilnehmen und gemeinsam Verantwortung tragen.[1][4] Es handelt sich um eine Unterrichtsstruktur, die Lernprozesse in heterogenen Gruppen durch positive Interdependenz, individuelle Verantwortung, förderliche Interaktionen, interpersonale Fähigkeiten und Gruppenreflexion ermöglicht.[1][2][3] Im Zentrum steht die ko-konstruktive Wissensentwicklung, bei der Heterogenität als Ressource genutzt wird.[3][5]

Lerntheoretischer Hintergrund

Das Prinzip basiert auf konstruktivistischen Lernkonzepten, die Lernen als aktiven Prozess sehen, in dem Vorwissen mit neuen Inhalten verknüpft wird.[4] Es integriert psychologische Erkenntnisse zu sozialem Lernen (z. B. Johnson/Johnson), betont positive Abhängigkeit und Face-to-Face-Interaktion zur Ko-Konstruktion von Wissen.[2][3][5] Inklusive Ansätze heben die Verknüpfung fachlicher und sozialer Lernprozesse hervor, insbesondere in heterogenen Gruppen.[1][4]

Merkmale der Unterrichtspraxis

Rolle der Lehrkraft

Die Lehrkraft plant Aufgaben mit klarer Definition individueller und Gruppenverantwortung, moderiert Gruppenprozesse, fördert interpersonale Fähigkeiten und reflektiert mit der Klasse die Kooperation.[1][3]

Rolle der Lernenden

Lernende übernehmen gleichberechtigt Verantwortung für eigenes und Gruppenlernen, leisten einzigartige Beiträge, interagieren förderlich und reflektieren Prozesse.[1][2][5]

Typische Methoden und Arbeitsformen

Häufig genutzt werden Partner- und Gruppenarbeiten mit Strukturen wie Think-Pair-Share (Denken – Austauschen – Teilen), Partnerrotation oder Jigsaw-Methoden, die positive Interdependez schaffen.[1][5]

Charakteristische Unterrichtsphasen

Typisch ist der Dreischritt: 1. Individuelle Phase (Denken, eigenständige Arbeit), 2. Kooperative Phase (Austausch in Paaren/Gruppen), 3. Präsentations-/Reflexionsphase (Teilen mit der Klasse, Gruppenreflexion).[1][5]

Konkrete Beispiele

  • In Mathe: Schüler lösen allein eine Gleichung (Think), besprechen in Paaren Lösungswege (Pair) und präsentieren die beste Variante der Klasse (Share).[1][5]
  • Bei Geschichtsprojekt: Heterogene Gruppen teilen Rechercheaufgaben (Jigsaw), integrieren Ergebnisse zu einem Gruppenplakat und reflektieren Kooperation.[3]

Chancen

  • Fördert kommunikative und kooperative Kompetenzen, kritisches Denken, gegenseitige Hilfestellung und Inklusion in heterogenen Gruppen.[1][4][5]
  • Besonders geeignet bei komplexen Themen, Inklusionsklassen oder wenn soziale Lernziele mit fachlichen kombiniert werden.[1][8]

Herausforderungen

  • Typische Schwierigkeiten: Ungleiche Beteiligung, Freeriding oder Konflikte in Gruppen; erfordert klare Strukturen und Training sozialer Fähigkeiten.[1][3]
  • Beachten: Heterogene Gruppierung, ausreichend Zeit für Reflexion und kontinuierliche Moderation durch die Lehrkraft.[2][4]

Abgrenzung zu verwandten Prinzipien

Im Gegensatz zu bloßer Gruppenarbeit (bloße Arbeitsteilung ohne Interdependenz) zielt Kooperatives Lernen auf ko-konstruktives Lernen mit fünf Basiselementen ab.[3][7] Es unterscheidet sich von frontalem Unterricht durch aktive Schülerbeteiligung und von projektdidaktik durch strukturierte Kooperation statt offener Teamarbeit.[5]

Links

  1. degede.de
  2. www.kooperativeslernen.net
  3. toolbox.edu.tum.de
  4. www.inklusion-lexikon.de
  5. de.wikipedia.org
  6. www.lernhelfer.de
  7. lehreladen.rub.de
  8. ibbw.kultus-bw.de
  9. www.bildungsserver.de