Lehrgangsförmiger Unterricht

Der lehrgangsförmige Unterricht ist ein systematisches, curricular geordnetes Lehr-Lern-Arrangement, das über Wochen oder Monate ein Wissens- und Könnensgebiet erschließt. Er zeichnet sich durch klare Struktur, Lehrerlenkung und regelmäßige Kontrollen aus, mit Frontalunterricht als dominierender Sozialform.[2]

Kernidee/Definition

Der lehrgangsförmige Unterricht erschließt ein Wissens- und Könnensgebiet in systematischer, curricular und methodisch geordneter Form über mehrere Wochen, Monate oder Jahre.[2] Er ist typischerweise fachbezogen, hat klare Eingangsvoraussetzungen und Abschlussbedingungen und kombiniert Frontalunterricht mit zeitlich begrenzten Gruppen- oder Einzelarbeiten.[2] Der Lernfortschritt wird regelmäßig kontrolliert und zertifiziert, was eine deutliche Strukturierung des Lehr-Lernprozesses ermöglicht.[1][2][5]

Lerntheoretischer Hintergrund

Das Prinzip basiert auf der Direkten Instruktion als einer der Säulen des Unterrichts, bei der die Lehrkraft wesentliche Lehrtätigkeiten übernimmt und den Lernprozess curricular plant.[2] Es beruht auf kognitiven Lerntheorien, die systematischen Wissenserwerb und geordnete Progression betonen, ergänzt durch empirisch belegte Merkmale guten Unterrichts wie klare Struktur und intensive Lernzeitnutzung.[1][5] Kombiniert mit situiertem Lernen optimiert es kognitive und soziale Lernprozesse.[5]

Merkmale der Unterrichtspraxis

Rolle der Lehrkraft

Die Lehrkraft agiert als zentrale Lernlenkerin, plant den curricular geordneten Ablauf, führt wesentliche Lehrtätigkeiten (z. B. Vorträge) durch und kontrolliert den Fortschritt regelmäßig.[2] Sie sorgt für klare Strukturierung, markiert Unterrichtsschritte und differenziert bei Bedarf.[1][2]

Rolle der Lernenden

Die Lernenden folgen dem geplanten Lehrgang, arbeiten hauptsächlich im Klassenverband und bearbeiten Lernpensum in Lektionen; sie üben Selbsttätigkeit in eingeschobenen Gruppen- oder Einzelphasen.[2] Der Fokus liegt auf bewusster Strukturerkennung und Fortschrittskontrolle.[2]

Typische Methoden und Arbeitsformen

Dominierend ist Frontalunterricht (z. B. Lehrervortrag, Unterrichtsgespräch), ergänzt durch zeitlich begrenzte Gruppenarbeit, Tandem oder Einzelarbeit; Beispiele: Lese- und Schreiblehrgänge, Fachkurse.[1][2]

Charakteristische Unterrichtsphasen

Lehrgänge gliedern sich in Lektionen als kleinste Einheiten mit klarer Aufgabenstellung, lehrer- und schüleraktiven Phasen, Rhythmisierung und Pausen; Abschluss mit Zertifizierung.[1][2]

Konkrete Beispiele

  • Lese- und Schreiblehrgang in der Grundschule: Über mehrere Monate vermittelt die Lehrkraft systematisch Lesekompetenzen via Frontalunterricht und Gruppenübungen, mit wöchentlichen Tests und Abschlusszertifikat.[2]
  • Grundkurs Griechisch in der Oberstufe: Curricular geplante Einheiten mit Vorträgen, Übungen und Kontrollen über ein Halbjahr, kombiniert mit kurzen Partnerarbeiten.[2]

Chancen

  • Fördert systematischen Wissenserwerb, klare Struktur und motivierende Fortschrittskontrolle, ideal für fachliche Grundlagen.[2][5]
  • Eignet sich besonders bei einheitlichen Voraussetzungen, z. B. in Fächern mit hierarchischem Wissensaufbau oder Zertifizierungsbedarf.[1][2]

Herausforderungen

  • Risiko einseitiger Lehrerzentrierung und geringer Schülerautonomie; erfordert Balance mit aktiven Phasen.[2]
  • Beachten: Regelmäßige Kontrollen und Differenzierung, um Motivation zu halten und Lernstände zu diagnostizieren.[2][5]

Abgrenzung zu verwandten Prinzipien

Im Gegensatz zum kooperativen Unterricht (starke Gruppenarbeit, Marktplatzlernen) oder individualisiertem Unterricht (hohe Selbsttätigkeit) dominiert hier Lehrerlenkung und Frontalunterricht.[1][2] Er ergänzt fächerübergreifenden oder projektbasierten Ansatz, ohne diesen zu ersetzen.[2]

Links

  1. www.uni-frankfurt.de
  2. uol.de
  3. schule-in-der-digitalen-welt.de
  4. d-nb.info
  5. www.schulforum-limburg-weilburg.de
  6. lehrerfortbildung-bw.de
  7. www.pedocs.de
  8. uol.de
  9. unipub.uni-graz.at