Problemorientiertes Lernen

Problemorientiertes Lernen (POL) ist eine praxisnahe Methode, bei der Lernende eigenständig an realen, komplexen Problemen Wissen und Problemlösefähigkeiten erwerben. Es fördert aktives, selbstgesteuertes Lernen in Gruppen und bereitet auf berufliche Praxis vor.[1][2][3]

Kernidee/Definition

Problemorientiertes Lernen (POL), auch Problembasiertes Lernen (PBL) genannt, ist eine Lehr-Lernform, in der Lernende durch die Bearbeitung authentischer, praxisnaher Problemstellungen neues Wissen erarbeiten und anwenden.[1][5] Der Fokus liegt auf selbstständigem Problemlösen, Teamarbeit und lebenslangem Lernen statt auf reiner Wissensvermittlung durch Lehrkräfte.[3][4] Es orientiert sich an konstruktivistischen Prinzipien, wonach Lernende aktiv Wissensstrukturen aufbauen.[4]

Lerntheoretischer Hintergrund

POL basiert auf dem konstruktivistischen Ansatz, bei dem Lernende auf Basis ihres Vorwissens neues Wissen aktiv konstruieren und vernetzen.[4] Es greift John Deweys Konzept des problemlösenden Denkens auf, das reale Probleme als Ausgangspunkt für Such- und Lernprozesse nutzt.[3] Zudem fördert es intrinsische Motivation durch Neugierde und Eigeninitiative, wie es bei kindlichem Lernen beobachtet wird.[3]

Merkmale der Unterrichtspraxis

Rolle der Lehrkraft

Die Lehrkraft agiert als Lernbegleiter und Moderator, der Impulse gibt, Ressourcen bereitstellt und bei Bedarf unterstützt, ohne Wissen direkt zu vermitteln.[2][3]

Rolle der Lernenden

Lernende arbeiten selbstständig und kooperativ in Gruppen, identifizieren Probleme, erarbeiten Lösungen, reflektieren Prozesse und übertragen Erkenntnisse auf neue Situationen.[1][5]

Typische Methoden und Arbeitsformen

Häufig genutzt werden Fallbeispiele, Projekte, Brainstorming und kooperative Kleingruppenarbeit; auch Einzelarbeit ist möglich.[2][4]

Charakteristische Unterrichtsphasen

Typischer Ablauf: Problempräsentation und Klärung, Hypothesenbildung/Brainstorming, Problemanalyse und -bearbeitung (Selbststudium), Lösungspräsentation, Reflexion und Übertragung auf neue Fälle.[1][2]

Konkrete Beispiele

  • Medizinischer Patientenfall: Studierende analysieren Symptome eines Patienten, brainstormen Hypothesen, recherchieren in Selbststudium und präsentieren eine Diagnose mit Behandlungsplan.[2]
  • Wirtschaftsprojekt: Gruppen lösen ein reales Unternehmensproblem, z. B. Markteintritt, durch Recherche, Ideengenerierung und Präsentation von Strategien.[4]

Chancen

  • Fördert Problemlösefähigkeiten, Anwendungswissen, Teamkompetenz, Selbstreflexion und lebenslanges Lernen.[3][5]
  • Eignet sich besonders für praxisnahe Fächer wie Medizin, Wirtschaft oder Ingenieurwesen, wo kontextbezogenes Lernen gefragt ist.[2][6]

Herausforderungen

  • Erfordert hohe Selbsteuerungskompetenz der Lernenden; schwache Gruppen können scheitern.[2]
  • Zeitintensiv, abhängig von guter Problemformulierung und moderierter Reflexion; Lehrkräfte brauchen Trainings.[1][3]

Abgrenzung zu verwandten Prinzipien

Im Gegensatz zu Projektbasiertem Lernen (längere, offene Projekte) ist POL stärker fallbasiert und spiralen Prozessen folgend.[2] Zu Entdeckendem Lernen fehlt bei POL die starke Lehrkraft-Strukturierung; es unterscheidet sich vom Frontalunterricht durch Lernenden-Zentrierung.[5]

Links

  1. flexikon.doccheck.com
  2. www.frankfurt-university.de
  3. lead.unibe.ch
  4. www.uni-bielefeld.de
  5. de.wikipedia.org
  6. lehreladen.rub.de
  7. www.medizin.rwth-aachen.de
  8. www.hwg-lu.de
  9. www.hochschuldidaktik.uni-freiburg.de