Projektorientiertes Lernen
Projektorientiertes Lernen ist ein Unterrichtsprinzip, bei dem Schülerinnen und Schüler eigenständig komplexe Problemstellungen in Gruppen bearbeiten, selbstgesteuert Lösungen entwickeln und ihre Ergebnisse präsentieren. Es verbindet fachliches Lernen mit dem Erwerb von Schlüsselkompetenzen wie Kooperation, Kommunikation und Selbstorganisation.
Kernidee/Definition
Projektorientiertes Lernen ist eine pädagogische Methode, bei der Schülerinnen und Schüler ein komplexes Thema oder eine Problemstellung eigenständig innerhalb eines definierten Zeitraums bearbeiten[2]. Die Lernenden bilden dabei Projektgruppen, planen ihre Arbeit selbst, führen sie durch und präsentieren ihre Ergebnisse[2]. Im Unterschied zum anspruchsvollen Projektunterricht nimmt projektorientiertes Arbeiten eine Mittelstellung ein und geht in der Regel von einem bestimmten Fach aus, wobei andere Fächer unterstützend hinzugezogen werden[4].
Lerntheoretischer Hintergrund
Projektorientiertes Lernen basiert auf den Prinzipien des demokratischen und handlungsorientierten Lernens, da die Schülerinnen und Schüler Probleme oder Aufgaben möglichst eigenständig lösen sollen[2]. Der Lernprozess erfolgt durch die aktive Auseinandersetzung mit einem vorgegebenen Thema[2]. Das Prinzip betrachtet die Lernenden als „ganze Person" und bezieht neben kognitiven auch psychische und soziale Faktoren ein[5]. Dabei wird nachhaltiges Lernen initiiert und gefördert, da die praktische Problembearbeitung zu tieferen Lernerfolgen führt[3].
Merkmale der Unterrichtspraxis
Rolle der Lehrkraft
Die Lehrkraft gibt nicht fertige Lösungen vor, sondern moderiert und begleitet den Lernprozess[3]. Sie sorgt für die nötige Vorbereitung und Nachbereitung der Arbeiten, gibt am Ende eine Bewertung ab und initiiert die Reflexion der erbrachten Leistung[2]. Die Lehrkraft muss dabei offen für fächerübergreifendes Arbeiten sein und den Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern kooperativ planen und gestalten[1].
Rolle der Lernenden
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstgesteuert und eigenverantwortlich[1]. Sie entwickeln eigenständig Ziele für ihre Arbeit, entwerfen Pläne für ihr Vorgehen, korrigieren auftretende Schwierigkeiten und präsentieren ihre Arbeitsergebnisse[1]. In hohem Maße tragen sie Verantwortung für den Verlauf ihres Lernprozesses[1].
Typische Methoden und Arbeitsformen
- Kooperatives Arbeiten in Gruppen und Teams[1]
- Informationssammlung und -auswertung zu einer Problemstellung[1]
- Einsatz von digitalen Medien bei Recherche, Informationsverarbeitung und -vermittlung[1]
- Produktorientiertes Arbeiten: Erstellung sichtbarer, greifbarer Arbeitsergebnisse (Werkprodukte)[4]
- Kombination verschiedener Fachdisziplinen, wobei ein Leitfach den Rahmen setzt[4]
Charakteristische Unterrichtsphasen
- Initiierung: Darstellung einer komplexen, problemhaltigen Sachlage[1]
- Planung: Schülerinnen und Schüler formulieren Ziele und entwerfen einen Arbeitsplan[1]
- Durchführung: Selbstständige Bearbeitung unter Begleitung der Lehrkraft[1]
- Präsentation: Darstellung der Arbeitsergebnisse[1]
- Reflexion: Rückblick auf Zielerreichung und Lernprozess[2]
Konkrete Beispiele
Beispiel 1 – Sportprojekt mit Fächerverbindung: Der Sportunterricht möchte ein Buch mit selbst entwickelten Spielen veröffentlichen. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Spiele praktisch im Sport, nutzen den Deutschunterricht für die sprachliche Bearbeitung und den Kunstunterricht für die bildliche oder technische Herstellung[4].
Beispiel 2 – Umweltprojekt: Eine Gruppe recherchiert selbstständig (mit digitalen Medien), welche Maßnahmen zur Müllvermeidung in ihrer Schule umsetzbar sind, entwickelt konkrete Vorschläge und präsentiert diese der Schulleitung[1].
Chancen
- Praktisches Auseinandersetzen mit einem Thema führt zu größeren Lernerfolgen[2]
- Stärkere Identifikation mit dem Thema steigert Engagement und Verantwortungsgefühl[2]
- Förderung von Schlüsselkompetenzen: Kooperation, Kommunikation, Selbstorganisation, Zeitmanagement, Konflikt- und Kritikfähigkeit[2]
- Selbstwirksamkeit und Entscheidungskompetenz werden gestärkt[3]
- Mit wiederholtem Einsatz werden die Schülerinnen und Schüler zunehmend selbstständiger[2]
- Alle Gruppenmitglieder können ihre individuellen Stärken einbringen[2]
Herausforderungen
- Risiko einer ungleichen Arbeitsverteilung in der Gruppe, bei der einzelne Mitglieder die Leistung tragen[2]
- Schülerinnen und Schüler behalten möglicherweise weniger Informationen über andere Projektthemen, da sie sich intensiv auf ihr eigenes Projekt konzentrieren[2]
- Erhöhter Arbeitsaufwand für die Lehrkraft durch Vor- und Nachbereitung im Vergleich zu Frontalunterricht[2]
- Erfordert sorgfältige Planung und Strukturierung, besonders in der Initiierungsphase[10]
- Gute Begleitung durch die Lehrperson ist notwendig, da das Prinzip auch eine Herausforderung darstellt[3]
Abgrenzung zu verwandten Prinzipien
Projektorientiertes Lernen unterscheidet sich vom vollgültigen Projektunterricht dadurch, dass es nicht alle anspruchsvollen Kriterien erfüllt und meist von einem Leitfach ausgeht[4]. Während Projektunterricht fächerübergreifend und themenbasiert ist, nimmt projektorientiertes Arbeiten eine Mittelstellung zwischen reinem Fachunterricht und echtem Projektunterricht ein[4].
Es ist verwandt mit Design-Based Learning (Entwicklung von Problemlösungen) und Service Learning (praktische Relevanz der Ergebnisse), teilt aber mit diesen die Idee, dass Studierende bereits bestehendes Wissen anwenden und neues Wissen schaffen[6].